Am 19. September 2025 zwang ein Cyberangriff auf die Passagierabfertigungsplattform MUSE von Collins Aerospace große europäische Flughäfen dazu, wieder auf Papier umzustellen. Dieser Bericht erklärt, was passiert ist, warum es wichtig war und welche praktischen Schritte Flughäfen, Fluggesellschaften und Anbieter unternehmen müssen, um eine Wiederholung zu vermeiden.
Was geschah – der operative Schock
Am 19. September 2025 richtete sich ein ausgeklügelter Cyberangriff gegen die MUSE Familie von Passagierabfertigungsprodukten von Collins Aerospace (oft als cMUSE or vMUSE). Der Angriff störte automatisierte Check-in-Automaten, Gepäckabgabeschnittstellen und Gate-Boarding-Systeme an mehreren Flughäfen mit hohem Durchsatz – darunter London Heathrow, Brüssel und Berlin Brandenburg – und verursachte lange Warteschlangen, Verspätungen, mehrere Annullierungen und vorübergehende Umleitungen.
Berichten von Branchendiensten und Presseagenturen zufolge waren die Flughäfen aufgrund des Ausfalls stundenlang gezwungen, auf manuelle Systeme zurückzugreifen. Dies zeigt, wie der Ausfall eines einzelnen Anbieters zu systemischen Betriebsstörungen bei allen Fluggesellschaften und Terminals führen kann.
Was ist MUSE – und wie unterscheidet es sich von PSS-Plattformen der Fluggesellschaften?
MUSE ist ein gemeinsam genutztes Passagierabfertigungssystem (CUPPS)Seine Aufgabe besteht darin, die gemeinsame Nutzung der Terminalinfrastruktur – Kioske, Schalter und Flugsteige – durch mehrere Fluggesellschaften zu ermöglichen. Im Gegensatz dazu konzentriert sich ein Passenger Service System (PSS) wie Navitaire (Teil von Amadeus) auf den Handel mit Fluggesellschaften: Reservierungen, Ticketverkauf, Merchandising und Ertragsmanagement.
Kurz zusammengefasst: MUSE steuert den physischen Passagierfluss am Flughafen; Navitaire betreibt kommerzielle Flugliniensysteme. Beide sind kritisch, befinden sich jedoch auf unterschiedlichen Ebenen des Reise-Stacks – und ein Ausfall in der CUPPS-Ebene kann sich unmittelbar auf Tausende von Passagieren auswirken, die an Kiosken und Flugsteigen stehen.
| Aspekt | MUSE / cMUSE / vMUSE | Navitaire |
| Primärfunktion | Gemeinsam genutzte Passagierabfertigung (Check-in, Kioske, Gepäckabgabe, Flugsteige) | Passenger Service System (PSS): Reservierungen, Ticketing, Merchandising, Revenue Management |
| Primäre Benutzer | Flughäfen und Terminalbetreiber; Fluggesellschaften, die eine gemeinsame Infrastruktur nutzen | Fluggesellschaften |
| Bereitstellungsmodell | Vor Ort oder in der Cloud; CUPPS-konforme Integrationen | Cloud-natives, API-gesteuertes PSS |
| Typische Schnittstellen | Kioske, Drucker, biometrische Lesegeräte, Gate-Systeme (CUTE/CUPPS-Standards) | Distributions-APIs, NDC, EDIFACT, REST für Handel und Buchung |
| Betriebsrisiko | Einzelpunktausfall auf Terminalebene – unmittelbare körperliche Auswirkungen auf die Passagiere | Geschäftskontinuität, Umsatzverlust und Check-in-Integrität bei Integration in Flughafensysteme |
Anatomie des Angriffs
Von mehreren Sicherheitsfirmen gesammelte Informationen deuten auf eine Kompromiss in der Lieferkette Muster: ein erstes Eindringen in die Umgebung des Anbieters, gefolgt von einer Ausbreitung auf die Flughäfen der Mieter. Die Zuordnung der Bedrohungsakteure ist noch ungeklärt – Analysten haben Motive und Fähigkeiten vorgeschlagen, die von hacktivistischen Störungen über Ransomware-Sabotage bis hin zu staatlich geförderten Operationen reichen –, aber gängige Techniken stimmen mit der MITRE-Angriffstaxonomie überein: Zugriff auf die Lieferkette (T1195), Phishing (T1566), laterale Bewegung und Dienstunterbrechung (T1489).
Sofortige operative Ergebnisse beobachtet:- Verlängerte Bearbeitungszeiten an Check-in- und Boarding-Punkten.
- Zahlreiche Annullierungen, Umleitungen und Verspätungen an den betroffenen Flughäfen.
- Verwendung von Protokollen mit Stift und Papier, um die Kontinuität zu wahren.
Wo MUSE und Navitaire im Reisestapel sitzen

Praktische Empfehlungen (betrieblich und technisch)
- Regelmäßige Fallback-Übungen: Führen Sie realistische manuelle Check-in- und Boarding-Übungen mit Fluggesellschaften und Bodenpersonal durch; testen Sie Zeitpläne und Kommunikationspläne.
- Lieferantenrisiko-Governance: Dazu gehören strenge SLAs zur Cybersicherheit, unabhängige Audits und obligatorische Zeitfenster für die Benachrichtigung über Verstöße in Verträgen mit CUPPS/PSS-Anbietern.
- Netzwerksegmentierung: Isolieren Sie die CUPPS-Infrastruktur von allgemeinen Unternehmensnetzwerken und kontrollieren Sie den Fernzugriff von Anbietern streng mit Phishing-resistenter MFA und Jump-Hosts.
- Unveränderliche Backups: Führen Sie Offline-Backups mit einmaligem Schreibzugriff für kritische Konfigurationen und Ressourcen durch, um eine Wiederherstellung nach Ransomware- oder zerstörerischen Angriffen zu ermöglichen.
- Aktive Bedrohungssuche: Überwachen Sie Anmeldedatenlecks, verdächtige Administratoranmeldungen und Darknet-Chats im Zusammenhang mit Flughafenanlagen oder Anbieterdiensten.
- Schulung der Mitarbeiter: Stellen Sie sicher, dass die Mitarbeiter an der Front die Eskalationspfade kennen und über Kurzreferenzverfahren für manuelle Betriebsmodi verfügen.
Technische Tabelle: Empfohlene Kompatibilitäts- und Schnittstellen-Checkliste
| Komponente | Protokoll / Standard | Sicherheitskontrollen | Notizen |
| CUPPS / MUSE-Endpunkte | CUPPS/CUTE, SOAP/REST für Anbieter-APIs | Gegenseitiges TLS, Client-Zertifikate, starke MFA für Administratorzugriff | Segmentierte VLANs; Quell-IPs für das Lieferantenmanagement einschränken |
| Kioske & Gate HW | Proprietäre Geräteprotokolle; SSH/SNMP für die Verwaltung | Gerätehärtung, signierte Firmware, Manipulationserkennung | Netzwerke mit den geringsten Privilegien; Offline-Funktions-Fallbacks |
| PSS (Navitaire) | NDC, EDIFACT, REST-APIs | API-Gateways, WAF, Ratenbegrenzungen, Anmeldeinformationen pro Client | Verwenden Sie Dienstkonten pro Fluggesellschaft; wechseln Sie die Schlüssel häufig |
| Administrator- und Lieferantenzugriff | RDP/SSH, VPN, Anbieterportale | Privilegierte Zugriffsverwaltung, Just-in-Time-Zugriff, Sitzungsaufzeichnung | Vermeiden Sie dauerhaft bestehende Administratorkonten |
| Telemetrie und Erkennung | Syslog-, EDR- und SIEM-Integration | Zentralisierte Protokollierung, lange Aufbewahrung, Anomalieerkennung | Korrelieren Sie die Telemetrie von Anbietern mit der Telemetrie von Flughäfen |
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Fazit
Die Störung im September 2025, die dazu führte, dass Flughäfen von MUSE auf manuelle Systeme umstiegen, ist ein deutliches Beispiel dafür, dass die Digitalisierung operative Risiken birgt. Die Abhängigkeit der Luftfahrt von Plattformen Dritter erfordert branchenweite Koordination: regelmäßige Fallback-Tests, vertragliche Sicherheitsgarantien, segmentierte Architektur und eine belastbare Infrastruktur. Mit einer Kombination aus operativer Vorbereitung und technischen Kontrollen – einschließlich ADCs, WAFs, unveränderlichen Backups und einer starken Zugriffskontrolle – können Flughäfen und Fluggesellschaften die Wahrscheinlichkeit verringern, dass sich aus einer Sicherheitslücke eines einzelnen Anbieters eine kontinentale Reisekrise entwickelt.