Asien erreicht 50 % IPv6-Kapazität und übertrifft damit den globalen Nutzermeilenstein
China und Indien treiben einen transformativen Wandel in der Internetentwicklung der Region voran
Asien hat offiziell einen Meilenstein in der Internetmodernisierung erreicht: 50 Prozent der dortigen Netzwerke sind nun IPv6-fähig. Die diese Woche vom Asia Pacific Network Information Centre (APNIC) veröffentlichten Daten unterstreichen die wachsende Dynamik der Next-Generation-Netzwerke in der bevölkerungsreichsten und digital dynamischsten Region der Welt.
Dieser Meilenstein spiegelt nicht nur die Bereitschaft der Infrastruktur wider, sondern auch einen starken Anstieg der IPv6-Nutzung in Mobilfunk- und Breitbandnetzen. IPv6-fähig bedeutet zwar nicht IPv6-exklusiv, aber es bedeutet, dass die Hälfte der in den 56 Ländern des APNIC getesteten Systeme Websites und Dienste über IPv6 erreichen kann, sofern verfügbar.
Indien und China: Titanen des IPv6-Verkehrs
Ein Großteil des Fortschritts in Asien ist Indien und China zuzuschreiben, wo die Regierungspolitik und die Infrastrukturinvestitionen die Einführung von IPv6 in großem Maßstab vorantreiben. Indien verfügt mittlerweile über 600 Millionen IPv6-Nutzer – die meisten weltweit – und die Kapazitätsrate liegt bei über 75 Prozent. China folgt dicht dahinter mit über 800 Millionen Nutzern und beschleunigt die Einführung in städtischen Zentren.
Experten weisen darauf hin, dass beide Länder in den Anfangsjahren des Internets nur begrenzten Zugang zu IPv4-Adressen hatten. „Sie mussten innovativ sein und neue Wege gehen – IPv6 war die einzige praktikable Langzeitstrategie“, sagte ein leitender Analyst des Internet Governance Forums.
APNICs Top-Performer in Zahlen
| Land | IPv6-Fähigkeit (%) | IPv6-Benutzer |
| Indien | 78.1 | 600,671,221 |
| China | 45.3 | 810,519,875 |
| Vietnam | 60.2 | 54,269,706 |
| Japan | 58.2 | 109,438,612 |
| Thailand | 50.6 | 45,014,196 |
| Philippinen | 17.7 | 79,160,582 |
| Südkorea | 23.8 | 51,142,259 |
| Indonesien | 14.9 | 115,444,083 |
| Pakistan | 20.6 | 40,485,679 |
Die Daten von APNIC zeichnen ein komplexes, aber vielversprechendes Bild: Während die Leistungsraten stark variieren, macht die schiere Anzahl der Benutzer in Asien mittlerweile über 60 Prozent aller IPv6-Benutzer weltweit aus.
Wo steht der Rest der Welt?
Nordamerika – das von ARIN bedient wird – ist mit 52 Prozent weiterhin die Region mit der höchsten IPv6-Kapazität, hinkt aber beim Nutzeraufkommen hinterher und stellt weniger als 10 Prozent der weltweiten IPv6-Nutzer. Europa und der Nahe Osten (unter RIPE NCC) erreichen eine durchschnittliche Kapazität von 28 Prozent und stellen 16 Prozent der Nutzer.
Lateinamerika, das von LACNIC abgedeckt wird, liegt bei einer Kapazität von 39 Prozent und hat nur etwas mehr als 10 Prozent der Nutzer. Afrika hingegen liegt deutlich zurück: Nur 4 Prozent der Hosts sind IPv6-fähig und weniger als 1 Prozent der weltweiten Nutzer – eine Lücke, die laut Analysten nur durch gezielte Investitionen und politische Reformen geschlossen werden kann.
Ist IPv6 die Zukunft – oder nur ein Parallelweg?
Trotz dieses Meilensteins sind sich nicht alle einig, dass IPv6 die unausweichliche Zukunft des Internets ist. APNIC-Chefwissenschaftler Geoff Huston argumentierte bereits, dass der intensive Einsatz von IPv4 Network Address Translation (NAT) die globale Nachfrage weiterhin decken könne, wenn auch nicht perfekt. Und da CDNs und DNS zunehmend Identität und Routing übernehmen, wird die Sichtbarkeit von IP-Adressen – ob v4 oder v6 – für viele Dienste weniger wichtig.
APNIC-Direktor Jia Rong Low bleibt dennoch optimistisch. „Das globale Internet wird voraussichtlich noch einige Zeit dual-stack bleiben“, schrieb er. „Aber Investitionen, das Wachstum des mobilen Breitbands und der Ausbau von 5G/6G werden die IPv6-Kapazität weiter vorantreiben – insbesondere in Asien.“
Mit einem Adressraum von 340 Sextillionen bietet IPv6 die nötige Skalierbarkeit für die Zukunft des IoT, vernetzter Infrastrukturen und Milliarden weiterer Geräte. Wenn der Rest der Welt dem Beispiel Asiens folgt, könnte der lang erwartete Wandel endlich die weltweite kritische Masse erreichen.
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